Die Welt spricht visa
Wie oft kann man eine Visakarte falsch rum in einen Schlitz schieben und wie lautstark kann man die Maschine beschimpfen, die dies immer nur hämisch mit dem Hinweis "Ätsch, Karte nicht lesbar" kommentiert? Ich kann es öfter als zehn Mal und ich kann es sehr laut. Zum Glück hat mich bei diesem Offenbarungseid in Sachen Umgang mit moderner Technik niemand beobachtet. Ich stehe in strömendem Regen einsam und verlassen zwar nicht auf weiter Flur, aber auf einem Motel-Parkplatz im Kölner Westen. Da ist Mittwoch nachmittags um drei wenig Betrieb, und wen würde das wundern? Zu meiner Ehrenrettung kann ich diverse Seidenschals anführen, die geradezu ein Loch in meine Umhängetasche brennen, mich hektisch und ein erfolgreiches Check-In an besagtem Automaten einigermaßen dringlich sein lassen. Aber dann doch nicht ganz so dringlich. Ein kurzer Anruf "Ich bin spät dran" verbannt mich zurück ins Auto, wo ich den hart erkämpften Zettel mit Zimmernummer und Zugangscode zu hypnotisieren versuche und der Dinge harre die da kommen werden. Des Mannes harre, der da kommen wird und zwar in jeder Hinsicht.
Das Zimmer ist charmelos und hat vielleicht auch gerade deshalb diese schamlose Wirkung auf seine Gäste. Wir kennen uns kaum, aber sehr gut. Man könnte sagen, wir kommen punktuell ausnehmend gut miteinander klar. Fragen im Stil von Wie war dein Tag? an denen sich in Beziehungen lebende Paare jahrelang erfolglos abarbeiten, klären wir in jenen fünf Minuten, in denen wir beide noch vollständig angezogen sind. Der Tag ist ohnehin meistens noch zu jung, um Bilanz zu ziehen.
Ich brauche genau diese fünf Minuten, um alle Symptome eines bad-hair-days zu vergessen. M. braucht genau diese fünf Minuten, um mich vergessen zu lassen. Fünf Minuten, in denen wir uns wieder aneinander erinnern, uns berühren, küssen, unserer Körper vergewissern. Fünf Minuten, um den Schalter umzulegen, der aus zwei Menschen, in deren Leben es keine Schnittmenge gibt, ein Paar macht, wenn auch nur für einige Stunden. Fünf Minuten, in denen ich von der resoluten Tonangeberin zur willfährigen Geliebten werde. Fünf Minuten, in denen er Herr der Lage wird. Ich habe allerdings so eine Ahnung, dass er dies auch außerhalb des Motelzimmers ist.
Am Ende dieser fünf Minuten gibt es nur noch eine Sache, die zwischen uns steht: M. wirft seine Brille quer durch den Raum irgendwohin und legt meine Brille sorgsam und in erreichbarer Nähe ab. Er kann nicht wirklich kurzsichtig sein. Niemand, der wirklich kurzsichtig ist, geht derart unachtsam mit seiner Brille um. Sie muss entweder aus billigem Plastik oder aus irgendeinem geheimnisvollen, von der NASA für den Einsatz im Weltraum entwickelten Material sein. Irgendwann werde ich danach fragen. Aber doch nicht jetzt.
Alle Aufregung fällt von mir ab. Ich schließe die Augen. Die Vorfreude der vergangenen Tage, die mich aufgekratzt sein ließ und hibbelig, weicht erwartungsvoller Trägheit. Die Aussicht auf Erfüllung lässt mich passiv werden, abwartend, hinnehmend. Meint Hingabe nicht eigentlich Hinnahme? Und ist diese Hinnahme nicht eigentlich auch eine Art gesunder Egoismus?
Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, M. dicht vor mir. Er greift mit einer Hand in meinen Nacken, hält mich fest. Eine kleine, unscheinbare Geste, die doch soviel aussagt. Ich werde vereinnahmt. Zielstrebig, Schritt für Schritt. Seine freie Hand wandert. Nein, sie wandert nicht, sie schreitet großzügig aus, hierhin und dorthin. Begreift mich. Sein Kuss ist leidenschaftlich, trotz fehlender Schnittmenge. Ohne jede Eile. Ich entledige mich meiner Schuhe. Zum ersten Mal in meinem Leben mache ich mir Gedanken über die Höhe der Absätze. M. wendet sich ab, fragt, ob er in meiner Tasche kramen darf. Ich bitte darum. Dort sind die Accessoires drin, die für heute Nachmittag den Ansatz einer Schnittmenge bilden. Die uns verbinden, obwohl doch nur ich gefesselt sein werde.
Er wählt eines der Tücher aus und ich spüre, wie aufreizend langsam seine Bewegungen sind. Meine Augen sind noch immer geschlossen und ab sofort werden sie auch geschlossen bleiben. M. faltet das Tuch, legt es über meine Augen und verknotet es hinter meinem Kopf. Es rutscht über die Nase. Es rutscht immer irgendwie über die Nase. Ich muss grinsen, wie immer. M. rückt die Augenbinde zurecht. Ich bin sicher, er grinst auch. Wir küssen das Grinsen weg. M. drückt mich fester an die Wand, hält meine Hände auf dem Rücken fest zusammen. Ich muss mich küssen lassen und bin deshalb froh, dass ich es sehr mag, das Küssen. Mein Kopf gerät in Schieflage, mein Hals präsentiert sich ergeben wie eine weiße Fahne und M. nimmt die Kapitulation an. Er tritt einen Schritt zurück, lässt mich dort stehen, mit herabhängenden Armen und Händen, denen nun der Halt seines festen Griffs fehlt. Für den Moment ist es sehr still im Raum, nur ganz vage hört man das gleichmäßige Rauschen des Verkehrs auf der nahe gelegenen Autobahn. Schaut er mich an? Gefällt ihm was er sieht? Noch ist Zeit und Raum in meinem Kopf für eitle Fragen. M. bewegt sich, ich spüre seine Schritte mehr als dass ich sie höre. Er kramt wieder rum und leise klimpert Metall. Leise, aber verheißungsvoll. M. hat die Handschellen hervorgeholt. Es bedarf keiner besonderen Aufforderung; ganz brav nehme ich meine Hände wieder auf den Rücken und senke den Kopf. Klick. Klick. Wie mag es sich anfühlen, wenn man immer gewinnt ohne kämpfen zu müssen?
"Dreh dich um!" Leise wie eine Bitte, aber unmissverständlich wie ein Befehl, dringt seine Stimme über meine Ohren direkt in den Bauch ein. Ich folge und stelle mich mit dem Gesicht zur Wand, lehne mich mit der Stirn an. Mit einer fast nur angedeuteten Bewegung bringt M. mich dazu, die Beine zu spreizen. Soweit das eben möglich ist in meinem kurzen, einigermaßen engen Rock. Schon heute Morgen im Büro, während einer langweiligen Besprechung, stellte ich mir M.´s Hand unter eben diesem Rock vor. Eine reizvolle Fantasie, der Konzentration wenig zuträglich. Ganz real schiebt diese Hand nun den Rock hoch, streicht über den Spitzensaum meiner Strümpfe und über meinen Hintern, der nur von einem knappen Slip bedeckt ist. Ich genieße es, derart entblößt dazustehen, kann aber dennoch den Impuls nicht unterdrücken, die Beine ein wenig zu schließen. Womöglich ein unterbewusster Schutzmechanismus, der aber nicht wirklich funktioniert, denn M. nutzt die Gelegenheit, mir den Slip auszuziehen und richtet meine Beine dann schnurstracks wieder im Winkel aus.
Ich stehe so nicht wirklich bequem da, die Hände auf dem Rücken, Stirn an der Wand, die Beine gespreizt, nicht nur wegen der Balance leicht vorgebeugt. Bequem oder nicht, ohne es direkt zu spüren weiß ich jedenfalls, dass ich feucht bin. Sehr, sehr feucht. Und ich weiß, dass M. ebenfalls erregt ist, denn ich spüre seinen Ständer an meinem Hintern, als er sich an mich lehnt und meinen Kopf mit einer Hand noch etwas fester an die Wand drückt. Meine Haare immer noch gepackt, tritt er einen kleinen Schritt zurück um sich Bewegungsfreiheit zu schaffen für die andere Hand. Ohne jeden Umweg taucht er ein in die Nässe zwischen meinen Beinen, betastet die glatten Schamlippen und dringt schließlich mit seinen Fingern in mich ein. Mal mit diesem, mal mit jenem Finger, mal mit zweien, mal mit dreien. Ich kann ein Stöhnen nicht länger unterdrücken, denn dieser Griff von hinten macht mich so unendlich an, dass ich ihn vermutlich noch Tage später spüren werde wie einen Phantomschmerz, irgendwo in der Bauchgegend, in etwa dort wo früher auch die berechtigte Angst vor der Mathearbeit saß. Dann lässt er wieder von mir ab und ich kann hören, wie er sich auszieht, seine Klamotten achtlos auf den Boden wirft. Und damit geht das Spiel in die nächste Runde. Unausweichlich.
M. kommt zu mir zurück, legt seinen Kopf an meine Schulter. Ich reibe mich an ihm. Wir spielen ein beängstigendes Spiel von Nähe und Distanz. Mit einem weiteren Schal fesselt M. nun meine Ellbogen so eng, wie es ohne ernsthaften Schmerz möglich ist aneinander. Die Handschellen reichen ihm nicht. Jetzt geht gar nichts mehr. Den Oberkörper leicht durchgebogen recke ich meine Brüste vor, als seien sie nicht so schon groß genug. Ich spüre seine Hände auf meinen Schultern, weiß, ich soll mich wieder umdrehen. M. knöpft meine Bluse auf, streift sie rechts und links über meine Schultern. Wie kann man sich mit derart vielen Klamotten am Leib doch so nackt fühlen? Meine Brustwarzen sind auch ohne dass er sie anfasst zu kleinen, harten Knubbeln zusammengeschrumpelt. Er fasst sie trotzdem an, leckt beiläufig einmal rechts und einmal links.
Wie um zu testen, ob sie wirklich hart sind oder nur so tun als ob. Hallo? Mit meinen Nippeln mache ich keine Witze! Ich spüre seine Hände auf meinen Hüften, weiß, ich soll mich hinknien. Es hätte der Worte also gar nicht bedurft, dennoch höre ich es ihn so verdammt gerne sagen. "Knie dich hin." Seine Finger schmecken nach mir, als er sie mich einen nach dem anderen ablecken lässt. Und wieder der Griff in meine Haare. Fest, aber niemals rabiat. Nur sehr, sehr selbstbewusst. Thomas Hermanns, der Renommier-Schwule der deutschen Fernsehunterhaltung, hat mal gesagt, diese Geste ginge gar nicht. Aber ich finde, sie geht. Doch, sie geht sehr, sehr gut. Ich öffne den Mund. Weit. M. stöhnt. Würde ich auch, wenn ich denn könnte. Sein Atem geht schneller und dies ist einer der Momente, in denen das Wörtchen ambivalent mein gleichzeitiges Hoffen und Bangen eindeutig am besten beschreibt. Wie gut, dass ich mich auch in dieser Frage hier und heute nicht entscheiden muss, darf, kann. M. hilft mir, mich wieder aufzurichten und führt mich ans Bett, greift sich im Vorbeigehen einen weiteren Schal, hantiert damit rum. Dann spüre ich seine Hand an meinem Mund, den er mit leichtem Druck öffnet. Er küsst mich noch einmal, bevor er den Knebel reinschiebt und die Schalenden an meinem Hinterkopf solide verknotet. Danke. Lass´ mich laut sein und mach´ dass es niemand hört.
Halb zog er sie, halb sank sie hin; M. dirigiert mich aufs Bett. Er will mich auf dem Bauch liegend und spreizt meine Beine. Ein weiteres Mal bedient er sich aus dem Tücher-Fundus und fesselt meine Fußgelenke an die unteren Bettpfosten. Er kniet sich zwischen meine Schenkel und die Matratze sinkt ein wenig ein. Ich liege also, die Kleidung derangiert, mit den Armen auf dem Rücken ans Bett gefesselt, auf einer minderwertigen Matratze. Nun gut, es ist vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt für entsprechende Beschwerden. M. packt mit einer Hand meinen Hintern und hebt meine Hüften leicht an. In dieser Position kann ich seinen Berührungen nun kaum noch ausweichen. Die Finger seiner anderen Hand greifen nach meinen Schamlippen, reiben an meiner Klitoris. Ich spüre, wie geradezu obszön alles angeschwollen ist und ich spüre, wie unendlich geil ich auf M. bin. Als hätte ich das nicht schon die ganze Zeit gewusst.
Vollkommen offen liege ich vor M., wie ein unmoralisches Angebot. Und die sichere Gewissheit, dass er mich gleich nehmen wird, lässt mich laut aufstöhnen. Natürlich nicht wirklich laut, sondern gedämpft durch den Knebel in meinem Mund, der nach Weichspüler schmeckt. Ich spüre den sich anbahnenden Höhepunkt als M. die kontrollierten Bewegungen seiner Finger beschleunigt und mein Oberkörper will sich aufbäumen, will sich dem Orgasmus entgegen stemmen. Ich komme in dem Moment, als M. mich zurück aufs Bett zwingt und endlich, endlich hart in mich eindringt. Die Hände fest an meinen Hüften gibt er wie selbstverständlich den Rhythmus vor, in dem er mich fickt. Er ist laut während er mich fickt und macht mich damit zusätzlich geil. Ich fühle mich so entschieden gewollt und genommen. Seine machtvollen Stöße werden mal schneller, mal langsamer, aber nie weniger intensiv. Mein in den Knebel gejammertes Ja, Ja, Ja ist wohl zumindest sinngemäß verständlich, denn M. fickt mich jetzt sehr stetig, sehr hart und sehr siegessicher. Und als ich das verräterische Zucken seines Schwanzes tief in mir wahrnehme, strafe ich all diejenigen Lügen, die nichts ahnend behaupten, der vaginale Orgasmus sei eine unbewiesene Legende.
Was auch immer es ist: So soll es sein.
Das Zimmer ist charmelos und hat vielleicht auch gerade deshalb diese schamlose Wirkung auf seine Gäste. Wir kennen uns kaum, aber sehr gut. Man könnte sagen, wir kommen punktuell ausnehmend gut miteinander klar. Fragen im Stil von Wie war dein Tag? an denen sich in Beziehungen lebende Paare jahrelang erfolglos abarbeiten, klären wir in jenen fünf Minuten, in denen wir beide noch vollständig angezogen sind. Der Tag ist ohnehin meistens noch zu jung, um Bilanz zu ziehen.
Ich brauche genau diese fünf Minuten, um alle Symptome eines bad-hair-days zu vergessen. M. braucht genau diese fünf Minuten, um mich vergessen zu lassen. Fünf Minuten, in denen wir uns wieder aneinander erinnern, uns berühren, küssen, unserer Körper vergewissern. Fünf Minuten, um den Schalter umzulegen, der aus zwei Menschen, in deren Leben es keine Schnittmenge gibt, ein Paar macht, wenn auch nur für einige Stunden. Fünf Minuten, in denen ich von der resoluten Tonangeberin zur willfährigen Geliebten werde. Fünf Minuten, in denen er Herr der Lage wird. Ich habe allerdings so eine Ahnung, dass er dies auch außerhalb des Motelzimmers ist.
Am Ende dieser fünf Minuten gibt es nur noch eine Sache, die zwischen uns steht: M. wirft seine Brille quer durch den Raum irgendwohin und legt meine Brille sorgsam und in erreichbarer Nähe ab. Er kann nicht wirklich kurzsichtig sein. Niemand, der wirklich kurzsichtig ist, geht derart unachtsam mit seiner Brille um. Sie muss entweder aus billigem Plastik oder aus irgendeinem geheimnisvollen, von der NASA für den Einsatz im Weltraum entwickelten Material sein. Irgendwann werde ich danach fragen. Aber doch nicht jetzt.
Alle Aufregung fällt von mir ab. Ich schließe die Augen. Die Vorfreude der vergangenen Tage, die mich aufgekratzt sein ließ und hibbelig, weicht erwartungsvoller Trägheit. Die Aussicht auf Erfüllung lässt mich passiv werden, abwartend, hinnehmend. Meint Hingabe nicht eigentlich Hinnahme? Und ist diese Hinnahme nicht eigentlich auch eine Art gesunder Egoismus?
Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, M. dicht vor mir. Er greift mit einer Hand in meinen Nacken, hält mich fest. Eine kleine, unscheinbare Geste, die doch soviel aussagt. Ich werde vereinnahmt. Zielstrebig, Schritt für Schritt. Seine freie Hand wandert. Nein, sie wandert nicht, sie schreitet großzügig aus, hierhin und dorthin. Begreift mich. Sein Kuss ist leidenschaftlich, trotz fehlender Schnittmenge. Ohne jede Eile. Ich entledige mich meiner Schuhe. Zum ersten Mal in meinem Leben mache ich mir Gedanken über die Höhe der Absätze. M. wendet sich ab, fragt, ob er in meiner Tasche kramen darf. Ich bitte darum. Dort sind die Accessoires drin, die für heute Nachmittag den Ansatz einer Schnittmenge bilden. Die uns verbinden, obwohl doch nur ich gefesselt sein werde.
Er wählt eines der Tücher aus und ich spüre, wie aufreizend langsam seine Bewegungen sind. Meine Augen sind noch immer geschlossen und ab sofort werden sie auch geschlossen bleiben. M. faltet das Tuch, legt es über meine Augen und verknotet es hinter meinem Kopf. Es rutscht über die Nase. Es rutscht immer irgendwie über die Nase. Ich muss grinsen, wie immer. M. rückt die Augenbinde zurecht. Ich bin sicher, er grinst auch. Wir küssen das Grinsen weg. M. drückt mich fester an die Wand, hält meine Hände auf dem Rücken fest zusammen. Ich muss mich küssen lassen und bin deshalb froh, dass ich es sehr mag, das Küssen. Mein Kopf gerät in Schieflage, mein Hals präsentiert sich ergeben wie eine weiße Fahne und M. nimmt die Kapitulation an. Er tritt einen Schritt zurück, lässt mich dort stehen, mit herabhängenden Armen und Händen, denen nun der Halt seines festen Griffs fehlt. Für den Moment ist es sehr still im Raum, nur ganz vage hört man das gleichmäßige Rauschen des Verkehrs auf der nahe gelegenen Autobahn. Schaut er mich an? Gefällt ihm was er sieht? Noch ist Zeit und Raum in meinem Kopf für eitle Fragen. M. bewegt sich, ich spüre seine Schritte mehr als dass ich sie höre. Er kramt wieder rum und leise klimpert Metall. Leise, aber verheißungsvoll. M. hat die Handschellen hervorgeholt. Es bedarf keiner besonderen Aufforderung; ganz brav nehme ich meine Hände wieder auf den Rücken und senke den Kopf. Klick. Klick. Wie mag es sich anfühlen, wenn man immer gewinnt ohne kämpfen zu müssen?
"Dreh dich um!" Leise wie eine Bitte, aber unmissverständlich wie ein Befehl, dringt seine Stimme über meine Ohren direkt in den Bauch ein. Ich folge und stelle mich mit dem Gesicht zur Wand, lehne mich mit der Stirn an. Mit einer fast nur angedeuteten Bewegung bringt M. mich dazu, die Beine zu spreizen. Soweit das eben möglich ist in meinem kurzen, einigermaßen engen Rock. Schon heute Morgen im Büro, während einer langweiligen Besprechung, stellte ich mir M.´s Hand unter eben diesem Rock vor. Eine reizvolle Fantasie, der Konzentration wenig zuträglich. Ganz real schiebt diese Hand nun den Rock hoch, streicht über den Spitzensaum meiner Strümpfe und über meinen Hintern, der nur von einem knappen Slip bedeckt ist. Ich genieße es, derart entblößt dazustehen, kann aber dennoch den Impuls nicht unterdrücken, die Beine ein wenig zu schließen. Womöglich ein unterbewusster Schutzmechanismus, der aber nicht wirklich funktioniert, denn M. nutzt die Gelegenheit, mir den Slip auszuziehen und richtet meine Beine dann schnurstracks wieder im Winkel aus.
Ich stehe so nicht wirklich bequem da, die Hände auf dem Rücken, Stirn an der Wand, die Beine gespreizt, nicht nur wegen der Balance leicht vorgebeugt. Bequem oder nicht, ohne es direkt zu spüren weiß ich jedenfalls, dass ich feucht bin. Sehr, sehr feucht. Und ich weiß, dass M. ebenfalls erregt ist, denn ich spüre seinen Ständer an meinem Hintern, als er sich an mich lehnt und meinen Kopf mit einer Hand noch etwas fester an die Wand drückt. Meine Haare immer noch gepackt, tritt er einen kleinen Schritt zurück um sich Bewegungsfreiheit zu schaffen für die andere Hand. Ohne jeden Umweg taucht er ein in die Nässe zwischen meinen Beinen, betastet die glatten Schamlippen und dringt schließlich mit seinen Fingern in mich ein. Mal mit diesem, mal mit jenem Finger, mal mit zweien, mal mit dreien. Ich kann ein Stöhnen nicht länger unterdrücken, denn dieser Griff von hinten macht mich so unendlich an, dass ich ihn vermutlich noch Tage später spüren werde wie einen Phantomschmerz, irgendwo in der Bauchgegend, in etwa dort wo früher auch die berechtigte Angst vor der Mathearbeit saß. Dann lässt er wieder von mir ab und ich kann hören, wie er sich auszieht, seine Klamotten achtlos auf den Boden wirft. Und damit geht das Spiel in die nächste Runde. Unausweichlich.
M. kommt zu mir zurück, legt seinen Kopf an meine Schulter. Ich reibe mich an ihm. Wir spielen ein beängstigendes Spiel von Nähe und Distanz. Mit einem weiteren Schal fesselt M. nun meine Ellbogen so eng, wie es ohne ernsthaften Schmerz möglich ist aneinander. Die Handschellen reichen ihm nicht. Jetzt geht gar nichts mehr. Den Oberkörper leicht durchgebogen recke ich meine Brüste vor, als seien sie nicht so schon groß genug. Ich spüre seine Hände auf meinen Schultern, weiß, ich soll mich wieder umdrehen. M. knöpft meine Bluse auf, streift sie rechts und links über meine Schultern. Wie kann man sich mit derart vielen Klamotten am Leib doch so nackt fühlen? Meine Brustwarzen sind auch ohne dass er sie anfasst zu kleinen, harten Knubbeln zusammengeschrumpelt. Er fasst sie trotzdem an, leckt beiläufig einmal rechts und einmal links.
Wie um zu testen, ob sie wirklich hart sind oder nur so tun als ob. Hallo? Mit meinen Nippeln mache ich keine Witze! Ich spüre seine Hände auf meinen Hüften, weiß, ich soll mich hinknien. Es hätte der Worte also gar nicht bedurft, dennoch höre ich es ihn so verdammt gerne sagen. "Knie dich hin." Seine Finger schmecken nach mir, als er sie mich einen nach dem anderen ablecken lässt. Und wieder der Griff in meine Haare. Fest, aber niemals rabiat. Nur sehr, sehr selbstbewusst. Thomas Hermanns, der Renommier-Schwule der deutschen Fernsehunterhaltung, hat mal gesagt, diese Geste ginge gar nicht. Aber ich finde, sie geht. Doch, sie geht sehr, sehr gut. Ich öffne den Mund. Weit. M. stöhnt. Würde ich auch, wenn ich denn könnte. Sein Atem geht schneller und dies ist einer der Momente, in denen das Wörtchen ambivalent mein gleichzeitiges Hoffen und Bangen eindeutig am besten beschreibt. Wie gut, dass ich mich auch in dieser Frage hier und heute nicht entscheiden muss, darf, kann. M. hilft mir, mich wieder aufzurichten und führt mich ans Bett, greift sich im Vorbeigehen einen weiteren Schal, hantiert damit rum. Dann spüre ich seine Hand an meinem Mund, den er mit leichtem Druck öffnet. Er küsst mich noch einmal, bevor er den Knebel reinschiebt und die Schalenden an meinem Hinterkopf solide verknotet. Danke. Lass´ mich laut sein und mach´ dass es niemand hört.
Halb zog er sie, halb sank sie hin; M. dirigiert mich aufs Bett. Er will mich auf dem Bauch liegend und spreizt meine Beine. Ein weiteres Mal bedient er sich aus dem Tücher-Fundus und fesselt meine Fußgelenke an die unteren Bettpfosten. Er kniet sich zwischen meine Schenkel und die Matratze sinkt ein wenig ein. Ich liege also, die Kleidung derangiert, mit den Armen auf dem Rücken ans Bett gefesselt, auf einer minderwertigen Matratze. Nun gut, es ist vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt für entsprechende Beschwerden. M. packt mit einer Hand meinen Hintern und hebt meine Hüften leicht an. In dieser Position kann ich seinen Berührungen nun kaum noch ausweichen. Die Finger seiner anderen Hand greifen nach meinen Schamlippen, reiben an meiner Klitoris. Ich spüre, wie geradezu obszön alles angeschwollen ist und ich spüre, wie unendlich geil ich auf M. bin. Als hätte ich das nicht schon die ganze Zeit gewusst.
Vollkommen offen liege ich vor M., wie ein unmoralisches Angebot. Und die sichere Gewissheit, dass er mich gleich nehmen wird, lässt mich laut aufstöhnen. Natürlich nicht wirklich laut, sondern gedämpft durch den Knebel in meinem Mund, der nach Weichspüler schmeckt. Ich spüre den sich anbahnenden Höhepunkt als M. die kontrollierten Bewegungen seiner Finger beschleunigt und mein Oberkörper will sich aufbäumen, will sich dem Orgasmus entgegen stemmen. Ich komme in dem Moment, als M. mich zurück aufs Bett zwingt und endlich, endlich hart in mich eindringt. Die Hände fest an meinen Hüften gibt er wie selbstverständlich den Rhythmus vor, in dem er mich fickt. Er ist laut während er mich fickt und macht mich damit zusätzlich geil. Ich fühle mich so entschieden gewollt und genommen. Seine machtvollen Stöße werden mal schneller, mal langsamer, aber nie weniger intensiv. Mein in den Knebel gejammertes Ja, Ja, Ja ist wohl zumindest sinngemäß verständlich, denn M. fickt mich jetzt sehr stetig, sehr hart und sehr siegessicher. Und als ich das verräterische Zucken seines Schwanzes tief in mir wahrnehme, strafe ich all diejenigen Lügen, die nichts ahnend behaupten, der vaginale Orgasmus sei eine unbewiesene Legende.
Was auch immer es ist: So soll es sein.
Skin - 1. Okt, 10:58

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